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Birschfibel

Paul Herberstein

Die wichtigsten Grundregeln für den Birschjäger – praxisnahe und einfache Anregungen, wie man sich zu Fuß im Revier bewegt!
80 Seiten, 25 Farbfotos.

Preis: Euro 19,–
inkl. MwSt.

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Richtig birschen ist eine Kunst, die heute nur mehr wenige beherrschen. Genau diese Kunst nimmt die „Birschfibel“ ins Visier. – Ein Buchauszug.


... Jede Birsch kennt einen Grundsatz: Der Jäger sieht oder hört das Wild zuerst und nicht umgekehrt. Mag sein, dass es die eine oder andere Situation gibt, in der man auf abspringendes Wild noch eine Chance erhält, im Normalfall allerdings nicht. Daher braucht es eine ausgefeilte Birschtechnik, sprich einer besonders aufmerksamen und ruhigen Fortbewegung im Revier.

Die „Stehbirsch“
Aufmerksam und ruhig bedeuten eigentlich: Zeitlupentempo und Stillstand. Jäger, die beim Birschen gewohnt sind, in einer Stunde nicht mehr als ein paar hundert Meter zurückzulegen, wissen, wie es geht. Eine sogenannte „Stehbirsch“, die Abfolge von wenigen und betont langsamen Schritten und dem Stehenbleiben, macht sicher, dass einem weder das leiseste Geräusch noch die kleinste Bewegung im Umfeld entgeht. Diese so wichtigen Pausen können durchaus einige Minuten dauern und dienen dazu, immer wieder in die Natur „hineinzulauschen“. Weht der Wind gleichmäßig oder dreht er? Säuseln die dürren Blätter im Wind oder wechselt Wild an? Warum rätscht der Eichelhäher da vorne so aufgeregt und laut? Hat er mich oder vielleicht etwas Anderes entdeckt? – In der Bewegung wird man nicht nur leichter von Wildtieren wahrgenommen, man überhört und übersieht auch vieles. Die Wildtiere selbst dienen dem Birschjäger dabei als bestes Vorbild: Oft sichern oder verhoffen sie minutenlang, bevor sie mit dem Äsen beginnen oder weiterziehen.
Diese betont langsame und vorsichtige „Stehbirsch“ durchs Revier ist über kilometerlange Strecken nicht möglich. Mit der Zeit verliert man an Konzentration, die Spannkraft des Körpers lässt nach, und man wird müde. Wer sein Revier gut kennt, der wird zwischendurch zur Auflockerung – und in weniger heiklen Gebieten – auch einige schnellere Schritte wagen.

Augen auf den Sohlen
Birschprofis sprechen gerne davon, mit „Augen auf den Sohlen“ unterwegs zu sein. Damit sind keineswegs etwa Hühneraugen aufgrund schlecht sitzender Schuhe oder Strümpfe gemeint, sondern vielmehr die Fähigkeit, den Untergrund bei jedem Schritt regelrecht zu erahnen, auch ohne die Augen auf den Boden gerichtet zu haben. Biegt sich unter der Sohle da gerade ein dürrer Ast kurz vor dem Knacksen? Oder hält der spitze Stein den Schritt aus, den man gerade gesetzt hat? Keine Frage: Ein vorab gut gewählter Untergrund hilft dabei enorm. Diese „Augen auf den Sohlen“ sind deshalb so wichtig, da man die eigentlichen Augen und alle anderen Sinnesorgane zu hundert Prozent für die nächste Umgebung braucht.
Von Vorteil ist es auch, bei jedem Schritt auf ebenen oder leicht ansteigenden Wegen mit der gesamten Sohlenfläche aufzutreten. Zum einen verteilt sich das eigene Gewicht besser und damit lautloser auf den Untergrund, zum anderen birgt jedes Abrollen die Gefahr, dass Steine losgetreten werden oder dass man durch die geringere Bodenhaftung ausrutscht und damit ebenfalls unnötige Geräusche verursacht. Das gilt selbstverständlich nicht für steile Passagen, in denen es ohne den kräftigen Einsatz von Ferse oder Zehen kein Fortkommen gibt.

Sprung vorwärts, decken!
Irgendwann wird man auch beim Birschen in die Knie gezwungen. Man nähert sich etwa einem Rudel, aber die notwendige Deckung fehlt, um auf Schussnähe heranzukommen. Wer beim Heer gedient hat, weiß, was nun folgt: runter auf den Boden und mit dem Körper samt Ausrüstung so flach und langsam wie möglich robben. Das Gewehr schiebt man dabei vor sich her, um es schnell und geräuschlos in Anschlag zu bringen. Das Weiterbirschen in gebückter Haltung ist in solchen Fällen deshalb nicht ratsam, da man nicht nur schneller wahrgenommen wird, sondern auch leichter außer Atem kommt – für einen sicheren Schuss nicht gerade förderlich.

Licht und Schatten
Praller Sonnenschein kann beim Birschen schnell zum Spielverderber werden. Selbst die kleinste Bewegung leuchtet weit in die Landschaft, ganz abgesehen von etwaig blinkenden Ausrüstungsgegenständen oder dem reflektierenden Licht von Augengläsern oder Optik. Man achtet darauf, sich so lang wie möglich im Schatten zu bewegen und jede kleinste Deckung zu nutzen. Und wenn sich ein paar Schritte unter freiem Sonnenlicht nicht vermeiden lassen, dann wählt man zumindest die Stehpausen dort, wo ein schmaler Baumstamm oder ein paar Blätter Schatten spenden oder man sich hinter einem Wurzelstock oder Strauch abducken kann. Und wenn man einem Wildtier plötzlich und völlig überraschend Aug in Licht gegenüber steht? So es einen noch nicht wahrgenommen hat, sucht man ohne hektische Bewegungen Deckung oder Schatten, um unbemerkt das Fernglas zu heben, den Hund abzulegen oder gar das Gewehr von der Schulter zu nehmen. Das helle Tageslicht kann dabei sogar hilfreich sein, wenn man mit der Sonne im Rücken selbst zwar gut sieht, das Wild Bewegungen gegen grelles Licht aber nur schwer ausmacht.
Auch der Hintergrund spielt eine Rolle. Untertags, aber auch zu Dämmerungszeiten, zeichnet sich ein Jäger deutlich am hellen Horizont ab und wird, wenn er etwa an einem Kamm entlang birscht, leicht wahrgenommen. Bewegt man sich stets vor dunklem Hintergrund, besteht diese Gefahr nicht.

Verhoffen und Abspringen
Selbst bei ausgereifter Birschtechnik wird sich manchmal etwas nicht vermeiden lassen: das Wild hat einen bemerkt und verhofft, zur Salzsäule erstarrt. In solchen Augenblicken bewahrt man Ruhe und erstarrt ebenfalls zur Salzsäule. Wenn das Wild lediglich ein ihm bekanntes Geräusch oder eine flüchtige Bewegung wahrgenommen hat, stehen die Chancen gut, dass es sich nach einiger Zeit wieder beruhigt und vertraut weiterzieht oder äst. Doch Vorsicht: Gerade ältere und erfahrene Stücke äsen nach dem Verhoffen oft nur zum Schein und senken dabei zur Täuschung das Haupt. Es zahlt sich aus, bewegungslos und still abzuwarten, bis das Wild jegliches Misstrauen verliert und zum Tagesgeschehen übergeht.
Und was, wenn einen das Stück bereits wahrgenommen hat und abspringt? Im Normalfall wird man keine zweite Chance erhalten, und man kann getrost den geordneten Rückzug antreten. Jedes Weiterbirschen in der unmittelbaren Umgebung oder gar der Versuch, dem abspringenden Wild zu folgen, wird das Revier nur unnötig beunruhigen. Daher geben sich erfahrene Jäger in solchen Situationen dem Wild zu erkennen, indem sie entweder vernehmlich husten oder halblaut zu sprechen beginnen. Dem Wild wird solcherart signalisiert: Ah, da ist ja nur ein harmloser Wanderer unterwegs, der mich gerade so erschreckt hat. Ähnliches gilt auch für den Gang durchs Revier bei starker Dämmerung oder Dunkelheit. Man beunruhigt das Wild am wenigsten, wenn man auf viel begangenen Wegen, mit normalem Tempo und entsprechender Geräuschkulisse unterwegs ist.
Hat man sich unentdeckt an Wild herangebirscht, ist aber nicht zu Schuss gekommen, weil kein passendes Stück dabei war oder man nur beobachten wollte, dann entfernt man sich ebenso lautlos, wie man sich genähert hat. Längere Wartezeiten oder größere Umwege, um das Wild nicht zu vergrämen, nimmt man dafür in Kauf.

Nach dem Schuss
Den geeichten Birschjäger erkennt man auch nach dem Schuss. Wie beim Ansitz geht es darum, so rasch wie möglich eine zweite Patrone in den Lauf zu laden – am besten noch „im Schusshall“ – und das beschossene Wildtier im Auge zu behalten. Bleibt es im Sichtfeld und ist etwa ein rascher zweiter Schuss vonnöten, dann wird man sich mit sparsamen Bewegungen in die richtige Stellung bringen.
Nicht so, wenn der Schuss gefallen ist und man das Stück aus den Augen und auch Ohren verloren hat. In solchen Augenblicken ist es wie bei der Ansitzjagd wichtig, sich und dem Wild ausreichend Ruhe und Zeit zu geben und auf keinen Fall gleich nachzuhetzen. Schlecht getroffenes Wild wird dadurch lediglich aus dem Wundbett aufgemüdet anstatt sich festzusetzen. Eine Nachsuche kann dadurch unnötig erschwert werden. Im Gegensatz zur Ansitzjagd verbricht man nach der Schussabgabe sofort den eigenen Standort oder markiert diesen zumindest notdürftig. Der Schuss bei der Birsch erfolgt unvorhergesehen, praktisch aus der Bewegung heraus. Von wo aus geschossen wurde, muss später genau nachvollziehbar sein. Nur so wird man den so wichtigen Anschuss oder auch etwaige Hindernisse in der Schusslinie feststellen können. Wer nach dem Schuss gleich ein paar Schritte hin oder her tänzelt, verliert diesen entscheidenden Bezugspunkt.

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